Galerie Bärbel Grässlin

Imi Knoebel

Nov 21—Jan 23 2016
Opening Nov 21, 12 am

Imi Knoebel zeigt in der Galerie Bärbel Grässlin Arbeiten aus dem Jahr 2015. Ein Großteil von ihnen trägt den Titel Bild, mit einer Datierung. Des Weiteren zu sehen sind Flags, die mit ihrer jeweiligen Farbbezeichnung benannt sind. Material um über Titel zu sinnieren ist ausreichend vorhanden. Was ist ein Bild? Welche Rolle spielen die Datierungen? Sind es die Entstehungsdaten oder beliebige Tage, die sich eine Widmung verdient haben? Was ist eine Flagge? Ist es die Bekennung zu einer Farbe oder eine Erinnerung an den Suprematismus und das Schwarze Quadrat Malewitschs?

Die Antworten auf diese Fragen kommen nicht verbal, sondern in Form und Farbe. Als Bilder, innerhalb derer sich weiche und geometrische Farbkörper bis auf einen präzisen Spalt aneinander schmiegen, sich umschließen oder gegenseitig zu kommentieren scheinen. Und als Flags, einfarbige Vierecke, die sich dezent aus der Form des Quadrats herausneigen. Ihr Grund besteht aus Aluminium, auf das mit sichtbar großzügigem, weichem Pinselstrich Farbe appliziert wurde. Der Farbauftrag ist delikat und äußerst fragil, er sitzt auf der warmen Oberfläche des Aluminiums, ohne von ihr aufgenommen zu werden. Seine Textur variiert von dumpf und matt, über saftig glänzend, bis hin zu einer changierenden Perlmuttoberfläche. Delikat ist auch die Auswahl der Farben. Dunkle Töne, die sich nur eine Nuance vom Schwarz – helle Töne, die sich nur einen Stich vom Weiß entfernen. Dazwischen immer wieder strahlende Farbstatements, ein Rot, ein Gelb, ein Gold. Ein Ensemble, das den Ausstellungsraum nicht bespielt, sondern ihn durchmisst, klärt und erweitert.

Imi Knoebel ist der Maestro der feinen Farben und Formen. Zunächst arbeitete er nur mit der Vorstrichfarbe Mennige, seit seiner Ausstellung 24 Farben für Blinky (1977) in Köln erweitert sich sein Farbspektrum jedoch stetig. Unermüdlich entwickelt er den Malereibegriff weiter. Der Grundstein hierfür wurde in der Klasse von Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf im Raum 19 gelegt. Von der Linie, über die Entdeckung der Hartfaserplatte, bis hin zum Aluminium hat er einen Weg beschritten, dessen Landmarken, die Kernstücke, 2015 im Museum Haus Esters zu sehen waren. Seine zahllosen prominenten Ausstellungsbeteiligungen, unter ihnen vier Documenta Auftritte, wurden 2013 gekrönt von der Einladung, die Kirchenfenster der Kathedrale in Reims zu gestalten, ein strahlendes Beispiel für einen erfolgreichen deutsch-französischen Kulturtransfer, der die Zeit überdauern wird. Imi Knoebel begleitet die Galerie Bärbel Grässlin seit Mitte der achtziger Jahre, eine Zusammenarbeit, die über die Jahre nichts von ihrer Lebendigkeit verloren hat. Das Gegenteil ist der Fall, wie die aktuelle Ausstellung beweist. 

Imi Knoebel is exhibiting new works made in 2015 at Galerie Bärbel Grässlin. Many of them are entitled Bild (Picture), and dated. Also on display are Flags, named according to their respective color designation. There is plenty of material available to ruminate on titles. What is a picture? What role do the dates play? Are they the dates of the works’ creation or random days that deserve a dedication? What is a flag? Is it a sign of commitment to a color or an homage to Suprematism and Malevich’s Black Square?

The answers to these questions are not given verbally, but in shapes and colors: as Bilder, pictures within which soft and geometric color fields nestle together, leaving just a precise gap between them, enclose one another or seem to comment on each other. And as Flags, monochrome rectangles that subtly edge out of the square shapes. They have an aluminum base, onto which the artist applied paint with visibly generous, soft brushstrokes. The application of paint is delicate and extremely fragile, sitting on the warm surface of the aluminum without being absorbed by it. Its texture varies from dull and matte to a rich shine to a shimmering mother-of-pearl surface. The choice of colors is also delicate. Dark tones, just a shade away from black, and light tones just a tinge away from white. They are repeatedly shot through by strong statement colors; a red, a yellow, a gold. An ensemble that does not fill the exhibition space, but traverses, clarifies and extends it.

Imi Knoebel is the maestro of delicate colors and forms. Initially working only with red lead paint, since his show 24 Farben für Blinky (24 colors for Blinky, 1977) in Cologne he has continually expanded his color range. He tirelessly advances the concept of painting. The foundation stone for this was laid in Joseph Beuys’ class at Kunstakademie Düsseldorf in Room 19. From the line to the discovery of hardboard to aluminum, he has followed a path whose landmarks, the core pieces, were shown in 2015 at Museum Haus Esters. His countless prominent group exhibitions, including four documentas, were crowned in 2013 by an invitation to design the church windows of the cathedral in Reims, a glowing example of a successful Franco-German cultural transfer that will stand the test of time. Galerie Bärbel Grässlin has represented Imi Knoebel since the mid-1980s, in a cooperation that has lost nothing of its vivacity over the years. Indeed, the opposite is the case, as the current exhibition demonstrates.

Text: Marina Rüdiger
Translation: Dr. Jeremy Gaines