Galerie Bärbel Grässlin

Imi Knoebel
VEB Kontor
Nov 11—Jan 13 2018
Opening Nov 11, 12 am

VEB Kontor ist die titelgebende Installation der aktuellen Ausstellung Imi Knoebels in der Galerie Bärbel Grässlin. Sie nimmt den hinteren Teil des Galerieraums komplett für sich in Anspruch. Sie besteht aus zehn Paletten des in Transportfolie gepackten Allzweckreinigers IMI „gegen groben Schmutz“, Kehrwalzen, Hartfaserplatten in Form von Kuben und Bildern und aus einem orangenen Trapez aus Aluminium, das sich dem aufschauenden Betrachter entgegenneigt und über allem wie eine untergehende Sonne thront.

Auch wenn in und unter den Kuben des Vorraums aktuelle Aluminiumarbeiten gezeigt werden, dominieren die Hartfaserplatten das Bild. Sie waren schon immer da. Schon immer, das heißt seit den späten sechziger Jahren. Als Imi Knoebel und Imi Giese an die Akademie nach Düsseldorf kamen und dort, mit einer Begeisterung für die entmaterialisierenden Tendenzen des Suprematismus unter Einfluss von Joseph Beuys’ Idee des Potentials der Materie als Speicher und Transformator von Energien, im Raum 19 an einem Nullpunkt standen. Damals war die Hartfaserplatte das erste Material, das zwischen dem Schwarz des Stifts und dem Weiß des Papiers eine Nuance bot. Eine warme Farbe und gleichzeitig ein Material mit einer festen Verbindung zur realen Welt außerhalb der Akademie. Sie wurde zum elementaren Bestandteil der Installation Raum 19, Imi Knoebels erster raumgreifender Arbeit, die aus Skulpturen und Bildern aus ebendiesem Material bestand. Als Teil der Installation VEB Kontor erinnern die Hartfaserplatten daran. Als Bilder an der Wand jedoch lassen sie die Faszination für das Material greifbar werden. Denn sie sind gezeichnet. Nicht von Künstlerhand, sondern von der Maschine, die die Holzmaische in Form presste und so eine ungleichmäßig-flockige Maserung entstehen ließ und von der Zeit, die unterschiedliche Lagerspuren als helle und dunkle Schatten hinterließ.

Das orangene Trapez schlägt die Brücke zum Vorraum der Galerie und damit in die „Jetztzeit“. Seine Aufhängung als höchster Punkt des Raumes erinnert an die erste Präsentation von Kasimir Malewitschs schwarzem Quadrat und scheint zu mahnen, dass es keine Kunst gibt, die nicht gemacht ist, und keine Malerei, die nicht gemalt ist. Denn das schwarze Quadrat, das oft als Nullpunkt der Moderne bezeichnet wird, zeigt ebendies. Einen Duktus in Farbe und eine Form, die diese hält. Die Arbeiten, die Imi Knoebel im vorderen Teil der Galerie zeigt, bestehen aus Aluminium, das mit präzise nuancierter Acrylfarbe so bemalt ist, dass der Duktus sichtbar auf dessen Oberfläche aufliegt und der Farbeindruck changiert. Die Formen sind als nummerierte oder datierte Schnitte, Elemente und Bilder betitelt, was ihnen nichts hinzufügt als den Verweis, dass sie Teil eines komplexen Œuvres sind, dessen Elemente über eine Zeitspanne von nahezu fünfzig Jahren immer wieder aufeinander Bezug nehmen, ohne je an Innovation zu verlieren.
 

Marina Rüdiger