Galerie Bärbel Grässlin

Meuser
Abwasser
Jan 20—Mar 3 2018
Opening Jan 20, 12 am

Die Galerie Bärbel Grässlin zeigt unter dem Titel Abwasser neue Arbeiten von Meuser. Abwasser ist Wasser, das durch den Gebrauch verunreinigt oder verändert wurde. Es hat keine feste Form, sondern nur eine Farbe, nach der es unterschieden wird. Grau-, Schwarz-, Braun- und Gelbwasser werden durch mechanische und chemische Klärungsprozesse aufbereitet und für verschiedene Zwecke wiederverwendbar gemacht.  

Schrott ist Material, das durch viele Hände ging und sich durch deren Nutzung veränderte, bis es schließlich überflüssig war und weggeworfen wurde. Meuser greift dieses Material auf. Durch seine Bearbeitung löst er es zwar aus seiner einstigen Zweckgebundenheit, verhindert aber auch, dass der Schrott in den Recyclingkreislauf eintritt und seine Form durch Einschmelzung verliert. Zuschnitt, Schweißung, Stauchung, Faltung und Oberflächenbehandlung bereiten das Rohmaterial auf und hauchen ihm neues Leben ein, ohne das alte unsichtbar zu machen. Dieser Prozess wird durch eine Umwidmung abgeschlossen. Titel, die zwischen der Banalität eines Kneipenwitzes und bildgebender Poesie schwingen, weisen den Skulpturen nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht zu. Was einst eine schwere Stahltür gewesen sein mag, trägt nun den Titel Streit im Morgenmantel. Ein rosa Gewand mit hellblauem Saum, das nicht träge an der Wand herunterhängt, sondern in seiner verzerrten Form zu schreien scheint.  Der zerknautschte Kanister mit der samtig braunen Oberfläche bekommt unter dem Titel Frisierkittel plötzlich nicht nur einen Namen, sondern auch eine neue Form, sein Ausguss wird zum Kragen, der Korpus zum agil schwingenden Faltenwurf.

Meuser war einer der ersten Künstler, der in den 80er Jahren in der Galerie Bärbel Grässlin seine Arbeiten zeigte. Der Schrott hat sich über die Jahre verändert. Fand er in Düsseldorf noch schwere sperrige Industrieabfälle wie Eisenbahnschwellen und T-Träger, zeichnet sich heute der Karlsruher Schrott dadurch aus, dass er feiner und leichter ist. Die Arbeiten bekommen so nicht nur ein anderes Format, sondern eine andere Anmutung, ohne je an Kraft zu verlieren.  

Marina Rüdiger