Galerie Bärbel Grässlin

30 Jahre Galerie Bärbel Grässlin fotografiert von Wilhelm Schürmann und Wolfgang Günzel
Jan 20—Feb 14 2015
Opening Jan 20, 12 am


Die Galerie Bärbel Grässlin wird dreißig – eine stattliche Zeitspanne. Wie ein Uhrwerk funktioniert der Betrieb seit eh und je. Regelmäßige Ausstellungen mit den Künstlern, die der Galerie seit Jahrzehnten die Treue halten, Messebeteiligungen in Madrid, Köln, Basel, Paris und Miami Beach. Der Galeriebetrieb eilt stetig weiter und erlaubt keinen Stillstand.

Doch jetzt, nach dreißig Jahren ist es einmal an der Zeit, kurz innezuhalten und zurück zu blicken. 1985 fing in der Staufenstraße alles an. Damals war es ein Wagnis, sich in der Bankenstadt Frankfurt niederzulassen, die in der Kunstwelt noch ein weißer Fleck auf der Landkarte war. Die Galerie zog 1986 in die Bleichstraße und wurde bis 1992 von Bärbel Grässlin und Heinrich Ehrhardt gemeinsam geführt. Künstler wie Werner Büttner, Günther Förg, Georg Herold, Hubert Kiecol, Martin Kippenberger, Meuser, Reinhard Mucha und Markus Oehlen waren von Anfang an dabei und wuchsen gemeinsam mit der Galerie. Ausstellungen mit Dan Flavin und Imi Knoebel erweiterten das Galerieprofil später um konzeptuell minimalistische Positionen. Auch die österreichischen Künstler Herbert Brandl, Franz West und Heimo Zobernig gehören heute zum festen Künstlerstamm. Die Frankfurter Kunstszene entwickelte sich seit den 80er Jahren prächtig, woran die Galerie Bärbel Grässlin ihren Anteil hatte. Durch ihren engen Kontakt zur ortsansässigen Kunstszene, insbesondere zur Städelschule, fanden im Laufe der Jahre auch Künstler wie Michael Beutler, Stefan Müller, Tobias Rehberger und Thomas Werner Eingang in die Galerie. Die jüngsten Neuzugänge sind Jean-Marc Bustamante, Secundino Hernández und Andreas Slominski sie ergänzen seit den 2000er Jahren das Programm um malerische sowie skulptural-konzeptuelle Positionen. 2007 wurden die neuen Galerieräume in der Schäfergasse bezogen. Die von dem Architekten Klaus Dreissigacker großzügig ausgebauten Räume eines ehemaligen Glasgroßhandels bieten nun zeitgenössischen Unterschlupf für die wichtigen Positionen der 80er und 90er Jahre.

Was in der Jubiläumsausstellung zu sehen ist, sind Fotografien von Wilhelm Schürmann und Wolfgang Günzel, den beiden Fotografen, die die Galerie und ihre Entwicklung maßgeblich begeleitet haben. Wilhelm Schürmann, der seit Anfang der 80er Jahre die Künstler der Galerie sammelt, begleitete das Galeriegeschehen dieser Zeit aus der Sicht eines Sammlers. Seine künstlerischen Fotografien vermitteln einen besonderen Blick auf Menschen, Orte und  Situationen. Wolfgang Günzel kam in den 90er Jahren als Reproduktionsfotograf in die Galerie Bärbel Grässlin. Er begleitet das Ausstellungsgeschehen seither als aufmerksamer Beobachter und wurde über die Zeit ein wichtiges Mitglied der Galeriefamilie. Gemeinsam dokumentieren Schürmann und Günzel nicht weniger als ein Stück Zeitgeschichte. Festzumachen an den lang vergangenen Moden und den Menschen, die sie ausfüllen: Künstler, Kulturschaffende, Mäzene und Sammler. Ein lebendiger Blick hinter die Kulissen des Ausstellungsbetriebs mit den Festen, die feucht fröhlich gefeiert wurden, den Momenten, die in Erinnerung bleiben, und Künstlerfreunden, die nun leider nicht mehr dabei sein können beim großen Rückblick.

Text: Marina Rüdiger